Jubiläumsausstellung

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Fotos von der Jubiläumsausstelllung: hier
Sendung von TV Zwickau am 7. Mai 2010


Burg Schönfels mit Dr. Georg Effenberger

„Die Bibel in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts“
auf der Burg Schönfels unter der Schirmherrschaft des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich

Festakt
Grußwort des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich
zur Eröffnung der Ausstellung „Die Bibel in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts“

 
(Fotos: Christian Siegel)

Die Ausstellung „Die Bibel in den beiden deutschen Diktaturen“ begleitet mich schon eine ganze Weile. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es vor knapp zwei Jahren eine Präsentation auf dem Landesparteitag der CDU in Zwickau gab. Und als Sie, Herr Dr. Käbisch, mich dann letztes Jahr angesprochen haben, zur Jubiläumsausstellung hierher zu kommen, habe ich gerne zugesagt.

Warum? Weil es nicht nur um Glaubensbekenntnisse geht, sondern um Glaubenszeugnis durch christliches Handeln. Um christliches Handeln von ganz konkreten Menschen, das auf bestimmten Werten beruht, auf Werten, die viele heute nicht mehr so hoch schätzen, die aber die Grundlage unserer Demokratie sind: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Wir Christen leiten diese Werte aus der Bibel und unserem christlichen Gottes- und Menschenbild ab. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind aber zugleich universale Werte. Als solche sind sie zum Beispiel in der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen verankert. Universale Werte heißt: jeder aufgeklärte Mensch wird sie nicht nur aus Glaubensüberzeugung, sondern auch aus Vernunftgründen für richtig und gut halten, ob Christ, Jude, Muslim, Buddhist oder Atheist.

Deutsche haben im 20. Jahrhundert zwei Diktaturen errichtet, in denen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nichts galten, ja, im Gegenteil Unfreiheit, Ungleichheit und Hass auf Andersdenkende herrschten. Viele Millionen Menschen haben unter der Durchsetzung der nationalsozialistischen und der kommunistischen Ideologie schwer gelitten: Sie haben ihr Lebensglück verloren, ihre Gesundheit, ihre Freiheit und sogar ihr Leben. Manchen verfolgt das Trauma dieser Repressalien bis heute.

Die Ausstellung erzählt Geschichten von Menschen, die sich dafür entschieden haben, gegen diese Diktaturen Widerstand zu leisten. Symbolisch dafür steht die mit Stacheldraht umwundene Kerze. Die Christen, von denen die Ausstellung erzählt, haben aus ihrem Glauben und Verständnis der Bibel heraus nach einem Wort von Dietrich Bonhoeffer gehandelt: „Man muss sich nicht nur um jene kümmern, die unters Rad gefallen sind. Man muss auch dem Rad in die Speichen greifen.“

Wenn wir zum Beispiel am 27. Januar der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedenken, dann erinnern wir zugleich an all jene, die Widerstand geleistet haben, die versucht haben, nicht nur ihrer Kirche treu zu sein, sondern auch den Verfolgten zu helfen oder den Diktator Hitler zu töten. Die Friedliche Revolution von 1989/90 ist als eine protestantische bezeichnet worden, weil zu den Organisatoren und Demonstranten der ersten Stunde so viele Pfarrer gehörten. Die Ausstellung erinnert aber auch an die Vorläufer der Friedlichen Revolution, zum Beispiel an das Königswalder Friedensseminar und die Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“.

In beiden Diktaturen haben Christen in der Bibel Trost, Zuspruch, Bestärkung und Ermutigung für ihr Handeln gefunden. Der Abschnitt über Bibeln in Gefängnissen der DDR zeigt das exemplarisch.

Natürlich ist die Bibel keine Handlungsanleitung für das, was wir in konkreten Situationen tun müssen. Aber sie formuliert – auch für uns heute – klare Leitlinien, ob nun in den Büchern Mose, die zum Beispiel zum Thema Armenfürsorge oder Wucher etwas zu sagen haben, oder in den Evangelien, die ganz klar das Gebot der Nächstenliebe in den Mittelpunkt stellen.

Wer die Bibel liest und Jesus nachfolgt, der versucht, sich gegen Ungerechtigkeit im Kleinen und Großen zu wenden. Wer in aller Konsequenz nach der Bibel lebt, der wurde zum Beispiel im 3. Reich nicht Mitglied der Deutschen Christen, sondern der Bekennenden Kirche. Und hat in der DDR darauf bestanden, dass er selbstverständlich als Christ seinen Platz in der Gesellschaft haben darf. Nicht jeder Christ hatte dazu die Kraft. Mancher hat sich gefürchtet wie Petrus, hat in erster Linie daran gedacht, was es für seine Familie und Freunde heißt, wenn er mit letzter Konsequenz die Konfrontation mit dem Regime sucht.

Wir sehen in denen, die ihre christliche Überzeugung konsequent gelebt haben, heute Vorbilder. Nicht, weil wir mit der erneuten Errichtung einer Diktatur in Deutschland zu rechnen hätten, gegen die wir uns moralisch wappnen müssten, sondern weil wir auch in unserer demokratisch verfassten Gesellschaft immer wieder mit Bezug auf unsere Grundwerte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ethische Entscheidungen treffen müssen:

Wie viel Freiheit darf ich mir nehmen? Wo ist die Grenze, wo ist die Freiheit anderer tangiert? Und: Kann ich meine freiheitlichen Entscheidungen auch gegenüber den anderen, gegenüber dem Gemeinwohl verantworten? Das Gleichheitsprinzip verlangt von uns als Demokraten, jedem Mitbürger als Gleichem gegenüber zu treten, dem Millionär genauso wie dem Obdachlosen. Tun wir das? Oder sind wir nicht oft versucht, uns über andere zu stellen, uns in den Worten Orwells für gleicher als andere zu halten? Und was die Brüderlichkeit betrifft: Tun wir immer das uns Mögliche, das Leid in der Welt zu lindern?

Dass es wichtig ist, in solchen Fragen Orientierung zu gewinnen, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass ein Teil der Ausstellung von Gymnasiasten erarbeitet worden ist. Sie haben dabei nicht nur ein Stück Geschichte erforscht, sondern vor allem etwas über Ethik und Moral gelernt, über das Leben aus dem Glauben, über wahrhaftiges Handeln und die Suche nach der Wahrheit.

Und darauf kommt es an. Auch unser Zusammenleben heute und in Zukunft setzt Werte und ethische Einstellungen voraus, die dieses Zusammenleben zu einem gedeihlichen machen. Wahrhaftigkeit gehört dazu.

Die Bedeutung der Kirchen in unserer Gesellschaft schwindet, quantitativ betrachtet, nicht zuletzt aus demographischen Gründen: Die Kirchgemeinden sind von der Schrumpfung der Bevölkerung genauso betroffen wie die politischen Gemeinden. Aber es sind kaum andere Institutionen oder besser gesagt Gemeinschaften in Sicht, die eine ähnliche Prägekraft in moralischen Fragen entfalten wie die Kirchen. In westdeutschen Städten mag das zunehmend der Islam sein. Aber wie ist das in Sachsen, wo drei Viertel der Bevölkerung nicht religiös, jedenfalls nicht Mitglied einer religiösen Gemeinschaft sind? Natürlich gibt es auch von atheistischer Seite Bemühungen, ethische Regeln aufzustellen, die ohne religiöse Begründung auskommen. Aber welche Kraft entfalten sie, wie stark können sie in die Gesellschaft hineinwirken? Die Jugendweihe allein ist ein Symbol, eine nette Erinnerung für die jungen Leute, aber kaum prägend fürs Leben, anders als der Konfirmanden- und Kommunionsunterricht.

Klar ist auch: Viele Menschen, die laut Statistik nicht religiös gebunden sind, sind auf der Suche nach Spiritualität. Auch sie wollen in einer starken Gemeinschaft leben, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erfahren. Vielleicht ist das für die Kirchen eine Chance, ihnen bisher fern Stehende für sich zu gewinnen. Mancher hat durch die Bibel zum Glauben gefunden. Vielleicht auch durch diese Ausstellung?

Seit 2002 war die Ausstellung an 50 Orten in ganz Deutschland zu sehen. Sie hat öffentliche Diskussionen ausgelöst und eine beachtliche Resonanz erfahren. Nun kehrt sie an ihren Ursprung zurück, um neue Aspekte, Geschichten und Erkenntnisse bereichert.

Dahinter steckt ein außerordentliches ehrenamtliches Engagement. Viele Menschen haben viel Zeit, Kraft, Ideen und auch Geld in diese Ausstellung gesteckt. Sehr geehrter Herr Dr. Käbisch, sie selber haben sich nicht nur zu DDR-Zeiten als Christ und Pfarrer aufgebäumt, sondern auch jetzt mit dieser von Ihnen initiierten Ausstellung. Sie wollen keine Rache, sondern Aufklärung im Geiste der Wahrhaftigkeit. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, hat Ingeborg Bachmann geschrieben. An der Kontroverse um die Ausstellung kann man erkennen, dass das offenbar nicht auf jeden zutrifft. Mancher will sich die schändliche Wahrheit über sein Handeln in Zeiten der Diktatur nicht eingestehen und möchte jegliche Aufklärung über diese Verstrickung verhindern. Sie haben dabei, sehr geehrter Herr Pfarrer Käbisch, den Rechtsstaat auf Ihrer Seite. Und das ist gut so. Denn wir dürfen, mit Solschenizyn gesprochen, nicht erneut in der Lüge leben. Wahrhaftigkeit ist nicht nur eine christliche, sondern auch eine demokratische Tugend.

Ich danke deshalb allen, die sich für diese bemerkenswerte Ausstellung einsetzen, sehr herzlich. Denn nur mit solchem Einsatz, mit öffentlichem Eintreten für Werte, mit der Übernahme von Verantwortung kann unsere Demokratie funktionieren.


Vortrag zur Geschichte der Ausstellung von Dr. Georg Effenberger


Dr. Georg Effenberger während seines Vortrages

 

Vortrag "Jugendweihe kontra Konfirmation" von Jonathan Hofmann
(ehemaliger Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums Zwickau)
Er stellte seine Besondere Lernleistung (BELL) „Jugendweihe kontra Konfirmation“ vor.

Begrüßung vom Landrat Dr. Christoph Scheurer

Übergabe der Solidaritäts-Spendengelder der CDU an die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) durch  MdB Dr. Michael Luther - die Summe betrug 2.596,09 Euro.



MdB Dr. Michael Luther                                                                           Dr. Michael Luther (rechts), Bundesvorsitzender der VOS Johannes Rinck,
                                                                                                                 Thomas Starke, Dr. Edmund Käbisch

Die Besucher erhielten eine Dokumentation zum Gerichtsprozess des IM "Schubert"