Projektbeschreibung:

Die Bibel in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts

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Die ursprüngliche Ausstellung wurde im Jahr der Bibel (2003) erweitert und zu einer Wanderausstellung umfunktioniert. So konnte sie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seitdem reiste sie ständig durch Deutschland. Am 9. Mai 2010 kehrte sie zurück auf die Burg Schönfels als Jubiläumsausstellung. Der sächsische Ministerpräsident hat die Schirmherrschaft übernommen.

Der Arbeitskreis versuchte die Entwicklung und Bedeutung der Bibel für die Region zwischen Pleiße und Mulde aufzuarbeiten und nach seinen Möglichkeiten zu dokumentieren. Das Hauptaugenmerk liegt nicht allein auf dem Buch „Bibel“, sondern auf deren Wirkungsgeschichte: Wie Menschen von den Inhalten der Bibel beeinflusst wurden und konkrete Geschichte machten. Ergreifende Lebens- und Glaubenszeugnisse wurden recherchiert und festgehalten. Zeitzeugen berichten aus ihrem Leben. Es sind Bürger der Region, die Nachteile, Leid, Verfolgung, Gefängnis und Verbannung auf sich nahmen oder sogar mit dem Tod bezahlen mussten. An die Martyrien dieser Menschen, die besonders in der braunen und roten Diktatur des 20. Jahrhunderts leben mussten, wird erinnert. Das darf nicht vergessen werden! Die Ausstellung führt zum Nachdenken, Überdenken, Bedenken und Andenken. Sie möchte Veränderungen auslösen. Der Betrachter wird ermutigt, seine Kräfte einzusetzen, zukünftig so etwas zu verhindern. Natürlich wird auch dokumentiert, welchen Trost, welche Hoffnung und Lebensenergie dieses Buch den Menschen gab.

Die Ausstellung gibt einen historischen Einblick in die Kolonisation der Region durch die Franken und Thüringer im 12. Jahrhundert. Die St. Marienkirche zu Zwickau als steinernes Symbol der Bibel war das geistige und kulturelle Zentrum und prägte die Region durch die Jahrhunderte. Sie war einst die Gaukirche und wurde später zum Dom. Von ihr ging - bezogen auf die Region Zwickau - die friedliche Revolution 1989 aus. Der Franziskanerorden und die Kalandgemeinschaft haben sich im Mittelalter mit Hingabe um die sozialen Belange der Bevölkerung gekümmert. Luthers Bibelübersetzung prägte nachhaltig die deutsche Sprache. Die Bibel hat die Wissenschaft, den Handel, die Jurisdiktion, die Kultur, die Kunst und die Musik beeinflusst. Die Bekennende Kirche hat während der Nazi-Diktatur das Bekenntnis zur Bibel zu bewahren gesucht und Widerstand geleistet. Bibelforscher (Zeugen Jehowa) gingen für ihre Überzeugung in den Tod. Das Friedensseminar von Königswalde und auch die sogenannte "Wende" sind ohne Bibel undenkbar. Die Bibel wird nicht als altes und verstaubtes Buch präsentiert, sondern als ein Buch, das Geschichte machte und heute noch Menschen verändert.

In der Ausstellung sind auch wertvolle mittelalterliche Bibeln aus der Zwickauer Ratsschulbibliothek zu sehen. Aus der Bevölkerung sind zudem so genannte "Lebensbibeln" zu sehen. Der Bibelsammler Siegfried Hahn zeigt einen Teil seiner Sammlung. Blinden-, Computer- und Mikrochipbibeln sind mit ausgestellt. Es wird auch der Missbrauch, der mit der Bibel geschah, angedeutet. Anhand von Originaldokumenten und Informationsmaterial kann Wissen weiter vertieft werden. Jedenfalls wird versucht, mit Einsatz aller Sinnesorgane das Buch „Bibel“ anschaulich zu machen. Der Besucher soll bereichert und verändert nach Hause gehen.

Damit ist die Ausstellung nicht nur für Gläubige konzipiert, sondern für jeden, der sich über die Wirkungszusammenhänge, die in der Bibel ihren Ursprung haben, informieren und sich sachkundig machen will. Damit ist die Ausstellung geeignet für Schulklassen (Deutsch, Geschichte, Gesellschaftskunde, Ethik, Religion), aber auch für kirchliche Gemeindekreise und Gruppen, Kinder, Erwachsene, Eltern, Touristen und alle Interessierten. Es wird mit bewährten Mitteln gearbeitet, um verständlich zu machen, welches Geheimnis in diesem Buch steckt.



 Symbol Schwerter zu Pflugscharen

 

Jugendliche Besucher beim Betrachten der Chagall-Bibel
Im Hintergund sind kolorierte Grafiken von Christian Siegel
zu sehen