Grußwort
von Michael Pelzer (Stellvertreter des Landrates)
zur Eröffnung im Krankenhaus Agatharied des Landkreises Miesbach
am 13. Januar 2005

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Landrat Christian Otto vom Zwickauer Land (vorn links) und Michael Pelzer halten zusammen symbolisch ein Neues Testament aus Holz. Daran wird die Verbundenheit der beiden Landkreise verdeutlicht.
Im Hintergrund: Klaus-Michael Kunze (Arbeitskreis), Walter Vorndran (Geschäftsfüher des Krankienhauses), Winfried Heber (Arbeitskreis), Dr. Edmund Käbisch (Arbeitskreis), Siegfried Heieis (katholischer Krankenhauspfarrer), Professor Dr. Joachim Martius (Ärztlicher Direktor des Krankenhauses), Dr. Georg Effenberger (Arbeitskreis und Ortschronist von Lichtentanne).

Es passiert nicht alle Tage, dass ein politisch tätiger Mensch eine Bibelausstellung eröffnet. Nicht dass ich mich schwer täte mit dem Thema, war ich doch lange hin- und hergerissen, Theologie zu studieren. (Na, vielleicht ist der Kirche manches erspart geblieben, dadurch dass ich mich anders entschieden habe). Zuweilen, wenn mich das politische Geschäft nervt, kommen mir immer wieder Bibelstellen in den Sinn. So fällt mir, wenn ich Berichte über manche Gemeinderatssitzung höre, die Stelle aus der Apostelgeschichte (19,20) ein : „ Etliche schrieen so, etliche ein anderes und die Gemeinde war irre und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren.“ Wenn´s noch schlimmer nervt (das ist selten der Fall), dann denke ich an Jesajas 41,21:
„ Siehe: Ihr seid aus nichts und euer Tun ist auch aus nichts und euch wählen ist ein Greuel.“

Aber: Lassen Sie mich zur heutigen Ausstellung kommen. Ich gestehe, dass mich der Titel etwas irritiert hat. „Die Bibel in der Region Zwickau“. Die Bibel, das Buch der Bücher – auf der ganzen Welt.
Was ist das Besondere an der Bibel in der Region Zwickau?
Das hat mich neugierig gemacht und ich habe nachgeschaut und war froh über das, was Dompfarrer Dr. Edmund Käbisch geschrieben hat. Es geht nicht so sehr um das gedruckte Buch – die Bibel. Es geht um ihre Wirkung, ihren Geist. Die Ausstellung soll ein sichtbares Zeichen sein, dass „im 15. Jahr der deutschen Wiedervereinigung weiterhin Ost- und Westdeutsche aufeinander zugehen, voneinander lernen und sich um ein ständiges Zusammenwachsen bemühen.“

Und eine ganz entscheidende Triebfeder hat diese Ausstellung: Wie verändert der Inhalt des Buches den Menschen und wie macht die Bibel damit Geschichte? Es wäre spannend, innezuhalten und darüber nachzudenken: Wie hat mich die Bibel verändert und was habe ich anders getan, weil ich die Bibel kenne? Vielleicht sollte man in dieser Ausstellung eine große Tafel anbringen und die Menschen das jeweils aufschreiben lassen, was sie selber angesichts dieses Titels empfinden.

Diese Ausstellung recherchiert und dokumentiert ergreifende Lebens- und Glaubenszeugnisse. Es geht um Menschen, „die seit der Christianisierung versuchten, ihr Leben nach den Worten der Bibel auszurichten. Dabei erwiesen sie Glaubensmut und besaßen Zivilcourage, auch wenn sie dafür Verfolgung oder sogar den Tod erlitten. An diese Menschen wird erinnert, denn sie dürfen nicht vergessen werden. Ihre Namen werden mitunter aus der Anonymität geholt, erhalten ein Gesicht und werden damit gewürdigt. Sie haben Geschichte geschrieben. Ihr Glaube und Leben sollte zur Nachfolge anregen. Das ist das Besondere dieser Ausstellung.“

„Diese Ausstellung dokumentiert auch das Leben der Christen in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts (der Nazizeit und der ehemaligen DDR).“ Damit ist ein Stück deutscher Geschichte lebensnah beschrieben und ich denke es wäre eine gute Adresse für viele Schulklassen, dies anzuschauen.“

Mir ist plötzlich klargeworden, wie wichtig diese Ausstellung ist, weil sie so heißt wie sie eben heißt: „Die Bibel in der Region Zwickau“. Denn es ist die kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Weil wir, nur wenn wir durchs Brennglas schauen, Dinge im Ansatz erkennen und dann auch verändern können. So können wir die große Welt nur begreifen, wenn wir die kleine erkannt haben. So fordert uns diese Ausstellung auf, das Kleine nicht gering zu schätzen. Und deshalb ist diese Ausstellung auch so geeignet, unsere Partnerschaft mit Zwickau zu vertiefen:
- weil wir über die Menschen in der Region Zwickau etwas erfahren,
- weil uns das, was wir erfahren, anregt zum Nachdenken, Überdenken und Bedenken,
- weil diese Ausstellung so ein Andenken wird an unsere Gemeinsamkeit.

Ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben, diese Ausstellung möglich zu machen. Und ich grüße Sie vom Landrat Norbert Kerkel. Er, der zur Zeit einen wahrhaft biblischen Leidensweg durchmacht, hat schon früh die Schirmherrschaft übernommen. Sie lag ihm am Herzen weil ihm Zwickau am Herzen liegt und die Menschen dort und
- weil ihm die Bibel am Herzen liegt.

Es gibt drei Bibelzitate, die mir zu ihm ganz spontan heute eingefallen sind:
„ Der Mensch ist nicht böse geschaffen.“ (Sirach 10,22). Davon ist Norbert Kerkel zutiefst überzeugt.
„ Ein neues Gebot gebe ich Euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, auf das ihr auch einander liebt.“ (Johannes 13,34).
Das lebt er und das ist seine Botschaft auch an uns.
Und schließlich beherzigt er den Rat aus dem Kolosserbrief 4,6:
„ Eure Rede sei allzeit lieblich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisset, was ihr einem Jeden antworten sollt.“

 

Festrede
von Hansjörg Weigel
zur Eröffnung im Verwaltungszentrum Werdau
am Mittwoch, 3. Dezember 2003

Herr Weigel war als Wehrdienstverweigerer Bausoldat
und für seine Friedensarbeit musste er ins Stasi-Gefängnis Karl-Marx-Stadt.
Während dieser Zeit starb sein Vater.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

stellen Sie sich eine Horde von hundert Soldaten vor: in Zelten hausend im Sommer wie im Winter, bei Hitze und Kälte, dreckig, verkeimt und für hundert Leute ein Wasserhahn! Aber für hundert Leute hundert Bibeln. In jedem Spind lag bei der Spindkontrolle des Hauptfeldwebels eine Bibel. Die Bibel bei den Bausoldaten der Nationalen Volksarmee. Für mich das Schlüsselerlebnis als protestantischer Christ. Die Bibel hat uns dort intensiv begleitet, bei allen Entscheidungen, beim Ja-Sagen und beim Verweigern und beim Suchen nach Lösungen und Alternativen.
Zwei Grunderfahrungen haben sich mir dort erschlossen:
Erstens: Die Bibel ist das revolutionärste Buch der Weltgeschichte. Dieser Satz ist von C. Fr. von Weizsäcker - dem großen Denker und protestantischen Christ. Sie setzt mich in Bewegung und lässt mich nie mehr selbstzufrieden innehalten.
Und zweitens: Bei allem Tun werde ich nie saubere Hände behalten. Alles Engagement - auch im politischen Bereich lässt mich nicht schuldlos sein und so hoffentlich auch niemals selbstgerecht werden.
Und doch und gerade deshalb gehe ich seit dieser Bausoldatenzeit mit einem Satz aus der Bibel durchs Leben, durch die DDR, durch die Wende und durch die Bundesrepublik Deutschlands. Er steht am Beginn des 5. Kapitels des Galaterbriefes. Paulus schreibt da: ,,zur Freiheit hat uns Christus befreit". Was gibt es besseres als dieses Wort in einem System, das das Wort - nicht nur das Wort Gottes -, jedes geschriebene geistreiche Wort gefürchtet und verachtet hat. Man hat es bekämpft, unterdrückt, lächerlich gemacht. ,,Opium fürs Volk" war ein Schlagwort. Aber gegen allen Ungeist war es lebendig und gefährlich und revolutionär. ,,Zur Freiheit hat uns Christus befreit".
Da haben auch Gefängnismauern nicht geholfen. Für eine Viertelstunde in der Woche die Bibel. Das war sehr knapp. Aber genug Geist der Freiheit in den Mauern, in der Einsamkeit, der Angst, bei den Verhören, in der Trauer, als der Vater starb. Ich bin hier frei, habe ich zu meiner Frau gesagt, als sie mich besuchte, und bin dann selbst erschrocken vor diesem gewagten Satz.
,,Zur Freiheit hat uns Christus befreit". Wir sind jetzt frei und die revolutionäre Kraft der Bibel, des Wortes Gottes, hat das ihre dazu beigetragen. Wir haben die Bibel rund um die Uhr zur Hand. Haben wir sie zur Hand? Der Satz des Paulus im Galaterbrief geht weiter, nämlich: ,,So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen". Die Freiheit ist immer gefährdet. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut. Das hat Paulus gewusst. Ich wünsche es uns, dass wir das nie vergessen.

  

Festrede
zur Ausstellungseröffnung im Landgericht Zwickau
gehalten von Cornelia Naumann, jetzt Jakob

 

Frau Cornelia Naumann während ihrer Rede
   

Sehr geehrter Herr Landgerichtspräsident Kränzlein, sehr geehrte Gäste!

Als Mitglied des Arbeitskreises der Bibelausstellung freue ich mich, dass es möglich wurde, diese Wanderausstellung hier in den Räumen des Landgerichts zu zeigen, dafür herzlichen Dank den Veranstaltern!

Ich möchte in Kürze schildern, wie es zu der Ausstellung gekommen ist.

Die Idee reifte im Herbst 2001 bei dem damaligen Bürgermeister der Einheitsgemeinde Lichtentanne, Herrn Siegfried Hahn – selbst eifriger Bibelsammler – gemeinsam mit Herrn Peter Köhler, dem Direktor der Burg Schönfels. Es sollte eine Bibelausstellung auf der Burg geben.
Dr. Edmund Käbisch, Pfarrer im Ruhestand, rief einen Arbeitskreis von ca. 8 Leuten – meist Ehrenamtlichen – ins  Leben. Der Kreis traf sich im Februar vergangenen Jahres erstmals auf der Burg.

Es gab noch keine klaren Vorstellungen: eine Ausstellung zu machen war für alle Beteiligten Neuland. So tasteten wir uns langsam an das Thema heran.

Die Bibel sollte nicht als altes, verstaubtes Buch präsentiert werden, sondern wir wurden uns nach intensivem Überlegen, Streiten und Abwägen schnell einig, dass es um Geschichte und Geschichten rund um die Bibel in unserer Region gehen sollte. Jeder im Arbeitskreis konnte etwas beisteuern und das Anliegen wurde publik gemacht. Bald türmte sich auf der Burg eine fast unüberschaubare Fülle an Bibeln und Material:

Bürger brachten stolz ihre Schätze und um alle Bibeln rankten sich interessante Geschichten.

Der schwierigste Teil der Arbeit war, eine Auswahl zu treffen, denn längst nicht alles konnte gezeigt werden, der Platz war begrenzt. So gab es sicherlich auch Enttäuschungen.

Viele ergreifende Lebens- und Glaubenszeugnisse kamen bei der Aufarbeitung zutage. So zeigt die Ausstellung anschaulich, wie Menschen von den Inhalten der Bibel beeinflusst wurden und damit Geschichte machten.

Eine weitere Hürde war zu nehmen: für die Ausstellung standen keine Gelder zur Verfügung. Sponsoren wurden gesucht – und gefunden. Fördermittelanträge wurden gestellt – und bewilligt. Spenden gingen ein – das zeigte uns, dass auch andere das Projekt für gut und wichtig hielten. Das gab uns Mut.

Nachdem nun also die Ausstellung im Herbst letzten Jahres auf der Burg zu sehen war, ist sie in diesem Jahr, dem Jahr der Bibel, als Wanderausstellung in verschiedenen Orten in unserer Gegend unterwegs.
So zum Beispiel zum Tag des offenen Denkmals im September im Schloss Wildenfels oder im Dezember im Landratsamt in Werdau.

Wer aber glaubt, die Ausstellung schon zu kennen, weil er auf der Burg Schönfels war, der irrt. Die Ausstellung konnte um einige Tafeln erweitert werden. Dennoch kann das Thema in seiner Vielfalt nur an einzelnen Beispielen aufgearbeitet und öffentlich gemacht werden.

So wünschen wir uns, dass Sie der Besuch unserer Ausstellung nachdenklich macht ... und auch immer wieder neugierig darauf, welchen Trost, welche Hoffnung, welche Lebensenergie die Bibel den Menschen gibt.
 
 

Landgerichtspräsident Kränzlein freute sich über die Ausstellung und
möchte sie in seinen Heimatort Gößweinstein/Franken holen.