Einige Pressestimmen zur Bibelausstellung

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Sächsische Zeitung vom Mittwoch, 25. August 2010

Der unbequeme Geist
Von Thomas Schade

Pfarrer Edmund Käbisch aus Zwickau versucht, das Staat-Kirche-Verhältnis in der DDR aufzuarbeiten. Seine Oberen sind darüber nicht sehr erfreut.
Der Stein des Anstoßes liegt auf Burg Schönfels. Ihr alter Bergfried aus Kaiser Barbarossas Zeiten leuchtet im Grün alter Buchen weit über das Zwickauer Land. Durch den Ringwall und die dunkle Torhalle führt der Weg in den verwinkelten Burghof. Vor 800 Jahren suchten hier deutsche Siedler Zuflucht vor den Slawen. Heute beherbergen die historischen Mauern ein kleines Heimatmuseum und noch bis Ende August eine Ausstellung über die Heilige Schrift. Doch an der Bibel-Ausstellung nimmt die Spitze der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen seit Jahren Anstoß. Ihr Unmut gilt hauptsächlich Edmund Käbisch, dem Spiritus rector der Dokumentation.

Auf Burg Schönfels in der Gemeinde Lichtentanne erhielt Käbisch den Anstoß zu seiner konfliktträchtigen Arbeit. Der dortige Bürgermeister Siegfried Hahn, ein Bibelsammler, regte im Jahr 2001 die Bibel-Ausstellung an. Käbisch rief einen ökumenischen Arbeitskreis ins Leben und wenige Monate später öffnete die erste Schau in den Räumen der Burg–unter dem Thema „Die Bibel in der Region Zwickau“–unterstützt und gefördert von beiden großen Kirchen und dem Landrat.

Auf einem schwierigen Acker

Edmund Käbisch, promovierter Theologe und Pfarrer, ist seit vielen Jahren so etwas wie das verlorene Schaf seiner Landeskirche. Seinen Schilderungen zufolge ging der heute 66-Jährige 1999 nicht ganz freiwillig in den vorzeitigen Ruhestand. Das Landeskirchenamt erklärt, das sei einvernehmlich geschehen. Aber in Käbischs Stimme schwingt Sarkasmus, wenn er sagt, dass er seiner Amtskirche dankbar sei für die vorzeitige Pensionierung. „Seither kann ich ungestört meinen zeitgeschichtlichen Studien nachgehen.“

Gerade die beäugt die Kirchenleitung argwöhnisch. Denn Käbisch konzentriert sich auf das sensible Verhältnis zwischen Staat und Kirche in der DDR und betätigt sich auf diesem schwierigen Acker als schonungsloser Aufklärer. Mit missionarischem Eifer lässt er eine Ausstellung durch die Lande wandern–in immer wieder veränderter Form. An 50 Orten in neun Bundesländern sei sie schon gewesen.

Die Gauck-Behörde hatte ihm 1993 einen Forschungsantrag zum Thema „Verhältnis des MfS zur evangelischen Kirche“ bewilligt. Als das bekannt wurde, verbot ihm sein Superintendent, die Stasi-Akten zu lesen. Käbisch studierte trotzdem. Seither hängt ihm eine „Dienstpflichtverletzung“ an, wie es im Kirchenamtsdeutsch heißt.

Vieles, was er in den Akten entdeckte, veröffentlichte Käbisch seither in der Bibel-Ausstellung. So auch den Operativen Vorgang (OV) „Kammer“, mit dem die Zwickauer Staatssicherheit 1986 versucht hatte, Mitglieder des Domkirchenvorstandes gegen Dompfarrer Edmund Käbisch einzunehmen. Käbisch traf sich zu jener Zeit mit Ausreiseantragstellern zu Sonntagabendgottesdiensten. Einigen im Kirchenvorstand war das zu viel Opposition unter dem Dach des Domes. Bei denen hakte die Stasi ein. Käbisch sah sich nach der Akteneinsicht von den eigenen Brüdern verraten. Die sehen wohl im Dompfarrer selbst die Ursache dafür, dass der Kirchenvorstand ins Visier der Stasi kam. Seither ist das Vertrauensverhältnis gestört. 1999 kam es zum Bruch.

Wer 18 Jahre als Pfarrer am Zwickauer Dom predigt, verewigt sich eigentlich mit einem Bild in der Galerie der Dompfarrer. Auch Käbisch hatte sich für diese Galerie ablichten lassen. „Aber man will das Bild nicht haben“, sagt er. So wie der Dom 2003, im Jahr der Bibel, auch Käbischs Bibel-Ausstellung nicht zeigen wollte. Auch die Landeskirche entzog Käbisch bald ihre Gunst. Man wolle Inhalte, die man nicht tolerieren könne, auch nicht finanziell fördern, hieß es in einem Brief aus dem Kirchenamt. Die Kritik bezog sich unter anderem auf eine Tafel, die die Selbstverbrennung des Pfarrers Rolf Günther 1978 in Falkenstein als Folge von Mobbing innerhalb der Kirche darstellte. Auch die Arbeit der Zeugen Jehovas hatten die Ausstellungsmacher nach Ansicht der Kirchenleitung zu „undifferenziert“ dargestellt.

Kerze und Stacheldraht

„Wir sind nunmal keine Ausstellungsprofis“, sagt Käbisch über sich und seinen kleinen Arbeitskreis, der bis heute Schautafeln aktualisiert, von Ort zu Ort transportiert und aufhängt. Im Laufe der Zeit erweiterten sie die Dokumentation. Themen wie „Christliches Handeln in der DDR“ und „Die Bibel in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts“ kamen hinzu. „Zur Zukunft gehört Erinnerung“, sagt Käbisch, der als Religionslehrer seine Dokumentation auch mit Zwickauer Gymnasiasten erweiterte.

Heute finden Besucher diese Tafeln nicht mehr. Ausrangiert stehen sie in Käbischs Keller. Der 66-Jährige sitzt auf einem der vielen Stühle in seinem großen hellen Arbeitszimmer. Hinter ihm ein hohes Regal voller Bücher: Plato, Marx, Schopenhauer, Freud und mehrere Bibeln natürlich. Vor ihm auf dem runden Tisch steht eine weiße halb heruntergebrannte Kerze umschlungen von Stacheldraht. Ein wichtiges Symbol seines Lebens. Der Stacheldraht sei die grausame Wirklichkeit, sagt Käbisch – Krieg, Verfolgung, Einsamkeit, Dunkelheit, Leid, und Tod. Das Licht sei Hoffnung, Leben, Wärme, Liebe, Geborgenheit. Beides zusammen sieht er als „Brücke zu den Wünschen und Sehnsüchten des Menschen“. Vielleicht symbolisiert das Arrangement auch das Gute, das vom Bösen gefangen gehalten wird–und damit eine Situation, inder er sich selbst sieht. Sagen würde er das aber wohl nie.

Krieg und Vertreibung verschlugen den 1944 geborenen Edmund Käbisch mit seiner Familie vom schlesischen Waldenburg nach Kamenz. Dort lernte er nach der Schule Elektromonteur, bevor er zum Theologie-Studium an die Karl-Marx-Uni nach Leipzig ging. 1979 schrieb er seine Promotion zum Thema Jugend und Gebet. 1981 wurde er zweiter Pfarrer am Zwickauer Dom. Später warf ihn eine schwere Hirnoperation aus der Bahn. Seiner Frau und den drei Söhnen verdanke er, dass er das Evangelium wieder von der Kanzel verkünden konnte.

Fortlaufend zeigt Käbisch neue Ergebnisse seiner Studien. „Lebende Bibeln“, wie er es nennt, würden dabei zunehmend gedruckte Bibeln verdrängen. Gemeint sind Menschen, deren Leben von der Bibel besonderes geprägt wurde–„im Guten wie im Bösen, im Dritten Reich und in der DDR“, sagt Käbisch. Kritiker feinden ihn an, weil er die Diktaturen gleichsetzen würde. „Wer genau hinschaut, sieht, dass es nicht so ist“, sagt er.

An der Seite der DDR-Opposition

Das Wirken oppositioneller Kräfte unter dem Dach der Kirche in der DDR gewann mit der Zeit in der Ausstellung an Bedeutung. „Der Aufbruch zur Mündigkeit“, wie es Käbisch nennt, „den Partei und Staat versuchten, rigoros zu unterdrücken.“ Käbisch zeigt auch subtile Methoden, mit denen die Staatssicherheit oppositionelle Kräfte verfolgte. Er glaubt zu wissen, dass sich Vertreter der Kirche auch in anderen Fällen instrumentalisieren ließen, um das gute Verhältnis Staat-Kirche nicht zu gefährden. Er zeigt, wie die Staatssicherheit den Karl-Marx-Städter Jugendpfarrer Theo Lehmann mithilfe inoffizieller Mitarbeiter (IM) – auch in der Kirche – demontieren und nötigen wollte, seinen Dienst vorzeitig zu quittieren. Pfarrer Lehmann widerstand damals den Repressalien. Aber Käbisch eckte mit dieser und anderen Dokumentationen an.

Offenkundig wurde der Konflikt, nachdem die Ausstellung im Juli 2004 in der Herrnhuter Brüder-Unität eröffnet worden war. Tage später inspizierte Landesbischof Jochen Bohl inoffiziell, wasda gezeigt wurde. Danach sollten die Herrnhuter vier Tafeln abhängen, auch die über Theo Lehmann. Auf anderen Tafeln wurden kirchliche Amtsträger mit Namen und Decknamen als IM genannt.

Leute an den Pranger gestellt

Nach Ansicht der Kirchenleitung wurden damit Menschen an den Pranger gestellt–ohne jede Möglichkeit, sich zu wehren oder um Vergebung zu bitten. Die Darstellungen richteten sich gegen die Landeskirche und seien ein Vertrauensbruch, hieß es. Doch die Herrnhuter Brüder beeindruckte das bischöfliche Verdikt nicht. Sie beriefen sich auf die Meinungsfreiheit und ließen die Tafeln hängen. So sah sich die Kirchenleitung veranlasst, in der Ausstellung eine Erklärung zu veröffentlichen, in der den Machern „einseitige und wahrheitswidrige Darstellungen“ vorgeworfen wurden. Man distanziere sich deshalb „entschieden“ davon.

Durch seinen juristischen Streit mit einem IM namens „Schubert“ erlangte Käbischs streitbare Ausstellung 2008 bundesweite Aufmerksamkeit. Käbisch musste zunächst nach einer einstweiligen Verfügung den Klarnamen des Mannes schwärzen, wehrte sich aber erfolgreich. Danach zeigte er seine Dokumentation in Zwickau zum Landesparteitag der CDU, die sich während des Streites solidarisch mit Käbisch erklärt hatte.

Nach acht Jahren hängt die Bibel-Ausstellung nun wieder am Ursprungsort. Ministerpräsident Stanislaw Tillich übernahm ohne zu zögern die Schirmherrschaft und kam zur Eröffnung auf die Burg Schönfels. Der Landesbischof machte sein Erscheinen davon abhängig, dass die schon in Herrnhut kritisierten Tafeln nicht gezeigt werden. Der Arbeitskreis stimmte zu. Als „Zeichen der Gesprächsbereitschaft“, sagt Käbisch. So besuchte Bischof Bohl nach acht Jahren erstmals offiziell die Ausstellung, ebenfalls als „Angebot zur Versöhnung“, wie es Kirchenamtssprecher Matthias Oehlke nennt. Danach war eine Kaffeetafel gedeckt. Doch an der saßen die christlichen Brüder nicht länger als eine Viertelstunde.


Nur Veränderungen im Kleinen bewirken Veränderungen des Großen
Lob für Bibelausstellung als Beitrag zur Partnerschaft Miesbach-Zwickau

VON LISA HILBICH
Agatharied - „Gott spricht in den Schriften der Bibel zu uns", erklärte der Agatharieder Krankenhauspfarrer Siegfried Heieis, „deshalb war die Bibel in der Geschichte auch so erfolgreich" . Einem speziellen Aspekt dieser „Erfolgsstory" widmet sich die Ausstellung „Die Bibel in der Region Zwickau - die Bibeln in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts". Sie ist bis zum Donnerstag, 3. März, in der Eingangshalle des Krankenhauses zu sehen. Als „ weiteren Schritt in der Partnerschaft .zwischen den Landkreisen Miesbach und Zwickau" bezeichnete der Stellvertretende Landrat Michael Pelzer gestern die Ausstellung. Es sei aber auch eine sehr wichtige Schau, die zeige, dass nur Veränderungen im Kleinen auch solche im Großen ergäben, so Pelzer bei der Eröffnung.
Beginnend mit einer Chronologie der Region Zwickau spannt die Ausstellung einen Bogen von der Christianisierung über die Verbreitung durch die Mönche im Mittelalter und Kirchenbauten bis hin zum Missbrauch durch die Nationalsozialisten sowie die Unterdrückung durch das DDR-Regime. Dabei werden mutig auch Aspekte dargestellt, die selten in dieser Deutlichkeit angesprochen werden: Pfarrer gegen DDR-Diktatur und solche im Dienst der Stasi, die Symbolik der Jugendweihe sowie das Thema Bibel und Zivilcourage. Auch der Geschichte der Juden der Region ist ein Kapitel gewidmet.
Abgerundet wird die Ausstellung durch Grafiken zur Bibel, die der Zwickauer Künstler Christian Siegel entworfen hat. Zusammengestellt wurden die Exponate von dem „Ökumenischen Arbeitskreis" unter Leitung von Edmund Käbisch, Zwickauer Dompfarrer im Ruhestand, der sich 1989 aktiv für eine friedliche Wende engagierte.

 

Zur Eröffnung der Bibelausstellung auf der Burg Schönfels

vom 7. September bis 17. Oktober 2002

"Die Bibel in unserer Region"

Freie Presse vom 28. August 2002
Zwickauer Land

 

Freie Presse vom 9. September 2003
Gesamtausgabe

 

 

Im Dom zu Zwickau ist die Ausstellung bis heute unerwünscht!

Freie Presse vom 9. Januar 2003